Winterbiwak am Stechlinsee

Winterbiwak am Stechlinsee

 

Er ist einer der klarsten Seen, die es in Brandenburg gibt. Er ist sogar ziemlich tief und komplett von Wald umgeben. In ihm lebt ein endemischer Fisch. Der Stechlinsee hat mich schon lange fasziniert und im Sommer waren wir dort schon einige Male zum baden und paddeln. Man kann unter Wasser wahnsinnig weit sehen. Keine landwirtschaftliche Fläche umgibt den See, kein Zufluss verändert den Nährstoffhaushalt. Diesmal wollte ich im Winter an seinen Ufern übernachten und dem Klang des Eises lauschen. Nachts singt der See, manchmal peitscht er, manchmal pfeift er. Das Atomkraftwerk aus sozialistischer Zeit steht mit seinen Türmen immernoch an seinen Ufern. Jetzt leitet es kein warmes Wasser mehr in den See. 

Fürstenberg 

Einen direkten Bahnanschluss hat der See nicht. Man muss von Fürstenberg hinwandern, wenn man ihn ohne Auto besuchen will. Das ist gut, denn so gibt es auch nicht so viel Publikum, im Winter schon gar nicht. Ich starte also mit der Bahn und steige in Fürstenberg aus, kaufe mir in der Nettowelt noch ein paar Snickers und Wasser, eine Suppenkonserve und Wiener. Der Bäcker gibt leider nicht so viel her, aber für ein paar Brötchen reicht es auch. Mit meinem eigentlich nur für Kameraequipment ausgelegten Rucksack ziehe ich dann los in Richtung Steinförder Straße. Hier stehen Villen und Einfamilienhäuser mit direktem Seeblick. Ich entecke ein modernistisches Haus mit Riesenfenster. Dahinter liegt ein Mann auf einer Couch. Wahrscheinlich war das Fenster zum See gerade belegt.

Lenin

Auf dem Weg Richtung Steinförde kommt linkerhand eine verfallene Villa, die tatsächlich eine bedeutende steingewordene Persönlichkeit mit einem Buch in der Hand vor sich hat. Es ist eine alte Leninstatue, die nun seit fast 30 Jahren ohne sowjetischen Rückhalt dort steht. Ich frage mich, wie viele Leninstatuen wohl noch in brandenburgischen Wäldern stehen. Ich kenne mindestens noch zwei.

Über einen Tunnel klettere ich in den Keller des Hauses und durchforste das Haus. Es gibt einen großen Saal und viele ehemals schöne Räume, die mit Parkett und Stuckdecken ausgestattet sind. Leider nagt der Zahn der Zeit.

Die Leninstatue vor dem Offizierskasino
Die Decken wurden mal abgestützt – gegenüber sieht man die neuen Häuser in erster Reihe zum See

Der Stechlinsee – ein Konzert des Eises

Man sagt, dass sich der Name Stechlinsee vom slawischen Wort für Glas herleitet. Offenbar waren unsere Vorfahren auch schon der Auffassung, dass dieser See besonders klar ist.  Im Winter, wenn der See zu Eis erstarrt, merkt man davon natürlich nicht so viel. Nach einer schönen Winterwanderung bin ich auch am See angekommen. Das Eis knackt, wenn man versucht, darauf zu stehen. Immer wieder ziehen Geräusche durch den gesamten See. In der Nacht sollten sie noch wesentlich stärker werden und mich aus dem Schlaf reißen. 

Die Dunkelheit zwingt mich, nicht ganz bis zur äußersten Spitze der Halbinsel im See zu laufen, sondern früher mein Zelt aufzuschlagen. Hier gibt es noch die Suppe und schon ist es dunkel. Ich lese noch ein Buch bis ich halb 8 einschlafe. Mitten in der Nacht um halb 3 werde ich dann abrupt aus dem Schlaf gerissen. Der See macht jetzt befremdliche Geräusche. Es pfeift und peitscht. Einmal kracht es durch den gesamten See von der Mitte her. Ich erschrecke unglaublich – dann höre ich zu und erwarte jede Sekunde ein neues Klangmuster, das durch den See saust. Sowas muss man mal erlebt haben. Wer an einem Wasser wohnt, der wird das kennen. Stadtmenschen in der Regel nicht.

Es war trotz wenig Schlaf wunderschön. Ich hoffe, der kommende Winter bringt wieder Eiseskälte und singende Seen.

 

 

Nachts steht das Zelt am See – Der Lichtschein kommt vom Kraftwerk Rheinsberg, einem ehemaligen Atomkraftwerk
Stechlinsee am Morgen – Die Sonne geht auf
Das Eis gefriert zu schönen Figuren
Auf den See ist eine Kiefer gefallen

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.