Autor: Daniel

Von Berlin nach Görlitz ///220km

Von Berlin nach Görlitz ///220km

Fast schon Routine ist die diesjährige Rennradtour von Berlin nach Görlitz, die ich zweimal im Jahr mache. Immer mal wieder eine Adaption der Strecke, jede Version ist fast gleichermaßen schön. Die Tour führt von Blankenfelde aus am Flughafenkorpus von Schönefeld vorbei Richtung Mittenwalde. Auf diesem […]

Durch Deutschlands größte Wüste //// Lieberoser Heide

Durch Deutschlands größte Wüste //// Lieberoser Heide

Schon wieder geht es auf einen verlassenen Truppenübungsplatz der Sowjets. In den siebziegern diente er als Manöverplatz für 50 Tausend Soldaten zu einem der größten Übungen des Warschauer Paktes – heute zeugt davon noch eine Aussichtsplattform, damals für die hochrangigen Offiziellen extra aufgeschüttet, heute ein […]

Jüterbog – Deutschlands größte Wanderdüne im Sperrgebiet

Jüterbog – Deutschlands größte Wanderdüne im Sperrgebiet

Auf dem verschneiten Weg liegt mein Rucksack – Ich suche die Spur eines Otters, den ich gesehen habe.

Etwa 40 Minuten von Berlin befindet sich, wie so oft, ein ehemaliges sowjetisches Militärgebiet. Da in etwa 10 % des damaligen DDR Gebietes Sperrgebiet waren, so ist die Wahrscheinlichkeit, auf ein solches zu treffen nicht gering. So auch an diesem Wintermorgen. Im Zug nach Treuenbrietzen will ich von Osten her über das Naturschutzgebiet an der Zarth auf den ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog. Dort will ich mal wieder übernachten und bei der Eiseskälte dem Sturm lauschen. Hier befindet sich auch Deutschlands größte Wanderdüne.

Das Naturschutzgebiet an der Zarth

Hinter Treuenbrietzen weht ein eisiger Wind. Es ist zu dem Zeitpunkt circa -6° kalt und ich bin froh, diesmal meinen Parka mit Fellkapuze mitgenommen zu haben.  Darunter trage ich dicke Merinounterwäsche und eine Wollstrickjacke. Ich merke nichts von der Kälte. Schnell stapfe ich die Straße entlang und komme durch Pechüle, einem kleinen Dorf mit einem merkwürdigen Namen. Hier gibt es nicht viel und auf der Straße habe ich auch niemanden gesehen. Direkt hinter dem Dorf begegne ich Reiterinnen, die die Abgeschiedenheit und die Weite der Landschaft ebenfalls genießen.

Die Zarth ist ein wunderschönes kleines Stück Natur.
Die Landschaft liegt erstarrt

Hinter dem Dorf begegne ich dann einem älteren Mann mit einem Rottweiler, der hier geboren ist und sein Leben neben dem riesigen Sperrgebiet verbracht hat. Er erzählt von den sowjetischen Soldaten, mit denen er Handel trieb und die, als es zu Ende ging, auf Beutezüge durch Brandenburg zogen, alles mitnahmen, was nicht festgewachsen war. Nach der Wende siedelten sich im benachbarten Altes Lager viele Aussiedler an, vielleicht aus Tradition, denn viele hatten hier lange gedient in der Gegend. Der Mann meint, dass heute der Brennpunkt in Wünsdorf läge. Russen schlagen sich oft mit Asyleinwanderern, meinte er. Aber vor den Russen hätten sie Respekt, anders als vor Deutschen, die wenig vernetzt wären. Er empfiehlt mir, im alten Bunker zu schlafen, da es doch draußen viel zu kalt wäre. Mal schauen. Ich will auf jeden Fall in den Bunker. Später stellt sich dann heraus, dass er wenig spektakülär ist. In den Ritzen schlafen Fledermäuse. Um sie nicht zu stören, haue ich auch schnell wieder ab.

Schlafplatz in der Heide finden

Jetzt beginnt die Heide. Überall ist die Landschaft zerwühlt. Der Wind frischt auf und die Bäume wallen hin und her. Erst will ich mitten unter einem Baum zelten, ein wenig weiter bricht dann jedoch ein großer Ast runter. Da beschließe ich dann doch in die lichten Birkenwälder zu gehen und dort zu bleiben. Der Wind ist mittlerweile einfach zu stark und es ist zu gefährlich. Mittlerweile wird es auch deutlich kälter.

Endlich bietet sich ein wunderschöner Platz:

Mein Schlafplatz in der Heide

Der Hobokocher wird angeworfen und ich koche noch eine Suppe und einen Tee. Danach würfele ich mich ein meinen Schlafsack. Die Windstöße gehen im Wald umher und wandern. Ich kann es genau wahrnehmen. Alle 20 Sekunden rüttelt der Wind am Zelt, dann wandert er wieder in die Ferne. Das geht so weiter, bis ich kurz darauf einschlafe. Ich wache auch erst am nächsten Morgen wieder auf. Von der Umgebung merke ich nachts wenig. Morgens als ich aufwache, rennt neben mir irgendetwas weg. Wahrscheinlich ein Fuchs, oder ein Marder…

Der kommende Tag ist sonnig aber bitterkalt. Es weht immernoch ein eisiger wind. Ich habe mit Freunden und Familie einen Treffpunkt ausgemacht. Hier treffen wir uns um gemeinsam die Wanderdüne zu erkunden. Es wird ein sehr schöner Tag.

Am nächsten Tag scheint die Sonne
Der Birkenwald in der Heide
Hier sieht man die Wanderdüne mit der Sonne schon kurz vor dem Untergang
Der starke Wind spielt mit dem Sand auf der Düne
Hier sieht man die Windräder im Sonnenuntergang
Winterbiwak am Stechlinsee

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Durch Westgrönland auf dem Arctic Circle Trail //// 170km 9+1 Tage

Durch Westgrönland auf dem Arctic Circle Trail //// 170km 9+1 Tage

Der Arctic Circle Trail

Wenn man sich Grönland vorstellt, so denkt man an weiße Wüste und Eisbären, vielleicht noch an Schneehasen. All dies hat Grönland natürlich zu bieten, doch an der Westküste gibt es viel Grün, das im Sommer durchaus so wohnlich sein kann, dass man dort auch in Seen baden, in der Sonne liegen, oder sich mit 26kg auf dem Rücken durch die Tundra quälen kann. So tat ich dies mit noch drei anderen netten Menschen im Sommer 2017 Anfang bis Mitte August auf dem Arctic Circle Trail.

Der Trail verläuft circa 170 km vom Eis über den Flughafen Söndre Stromfjord (Kangerlussuaq) bis hin nach Sissimiut, bei den Dänen auch bekannt unter dem Namen Holsteinsborg. Der Weg führt dabei ohne Unterbrechung durch unbewohntes Gebiet, sodass man alles, was man in den 8-10 Tagen braucht, auf dem Rücken schleppen muss. Das klingt unschaffbar, kann aber von mittelmäßig fitten Mitteleuropäern durchaus mit mittlerem Durchhaltevermögen geschafft werden. Wie fängt man sowas an?

Flug nach Kangerlussuaq zum Startpunkt des ACT

Von Kopenhagen aus fliegt man direkt bis nach Grönland in gut 4 Stunden. Das ist eigentlich nicht viel, jedoch sind die Flüge ziemlich teuer, auch wenn man früh einen Platz bucht. Mein Flug kostete 950€ hin und zurück nach Kopenhagen. Von und nach Kopenhagen kommt dann noch hinzu. Für heutige billigfluggeplagte Globaltouristen dürften hier schon die Augenbrauen hochgehen. Wer Einsamkeit und schöne Landschaften abseits der ausgetretenen Pfade sucht, wird aber entlohnt. Ich bin sicherlich nicht das letzte Mal dort gewesen.

Die eisige Schönheit Grönlands

Ankunft

Mit Verspätung komme ich bei Sonnenuntergang in Kangerlussuaq an und treffe mich mit meinen Mitstreitern, mit denen ich die folgenden 10 Tage durch die Wildnis wandern sollte. Direkt am Flughafen, also quasi neben dem Rollfeld, ist ein von einem deutschen Exilanten betriebener kleiner Campingplatz. Auf diesem Campingplatz haben wir die erste Nacht verbracht. Es herrschten ungefähr 5-6° Nachts, schwitzen war also nicht.

Kangerlussuaq ist nicht mehr als der Flughafen

Das Ice Cap

Nach einem gescheiterten Versuch, am folgenden Tag eine Ice Cap Tour zu ergattern, begannen wir, die Einheimischen zu befragen und wurden bei einem lokalen Elektriker fündig, der uns in seinem kleinen Allradtoyota über Grönlands längste Straße (37km) bis hin zum Ice Cap bringen wollte. Man sollte sich das mal anschauen. Der Kleintransporter polterte über die Geröllstraße durch die quasi wüstenähnliche Landschaft bis plötzlich die Straße endete und von nun an nur noch Eis über dem Land lag. Man kann sich das kaum vorstellen, aber von da an besteht Grönland nur noch aus Eis und unterirdischen Wasserläufen, die teilweise über 3000m über dem Meeresspiegel liegen – der größte Gletscher der Welt. Man kann dort auch noch übernachten, denn es werden Touren angeboten, die auch das entsprechende Equipment mitvermieten, womit man auf einem Gletscher übernachten kann.

Die Fahrt zum Gletscher mit Mikey, den wir auf dem Supermarktparkplatz kennengelernt haben

 

Beginn des Artctic Circle Trail

Vorbei an gigantischen Dieseltanks zur Versorgung dieser kleinen Flughafenstadt (ganz Grönland wird derzeit noch mit Diesel versorgt, das mit Schiffen angeliefert und dann verstromt wird) liegt am Stromfjord der Eingang zum Trail. Er beginnt an einer riesigen amerikanischen Radarstation aus dem kalten Krieg, von der nur noch die Fundamente zu sehen sind. Die Amerikaner sind auch verantwortlich für den Status, den Kangerlussuaq heute hat. Als einzige natürliche flache Strecke wurde es auserkoren um 1941 einen Militärflughafen zu errichten. Auch die Rosinenbomber der Berliner Luftbrücke starteten von hier aus. Überall gibt es Spuren der Amerikaner.

Jetzt beginnt der Trail, sehr unspektakulär und in sanft hügeligem Gelände. Zum ersten Mal müssen die schweren Rucksäcke über Land getragen werden. Erst wird es übelst schwer, dann setzt eine Gewöhnung ein und man läuft einfach nur. Der erste Tag jedoch ist ziemlich schwierig.

Tägliche Abfolge

Die erste Nacht war eine Wohltat. Man schläft definitiv gut, wenn man so viel zu tragen hat. Sobald abends die Sonne untergeht, merkt man, dass man nördlich des Polarkreises ist. Es wird schlagartig kalt. Hinein in den warmen Schlafsack und ins das Zelt, das den jeden Abend aufkeimenden Wind abhält und es wohlig warm erscheinen lässt.

Der erste Morgen fühlt sich gut an. Ich bereite mir einen Topf mit Bergsteigermüsli und Milchopulver vor. Sehr lecker ist es noch. Nach einigen Tagen sieht das dann anders aus. Danach heißt es Aufräumen, Zelt abbauen und einpacken zum Abmarsch.

Für gewöhnlich geht es dann erstmal bis zum Mittag durch die Tundralandschaft, vorbei an Seen und Rentiergeweihen, die, aufgereiht und gestapelt immer wieder den Weg säumen. Das Highlight bildet meist ein dicker Seitenbacherriegel, mit dem man bis zum Mittag durchhält. Wir strukturierten die Tour komplett individuell, nur die Kilometerzahl pro Tag war eigentlich meist vorgegeben, wenn wir die Tour in 9 Tagen schaffen wollten. Manchen Tag starteten wir allerdings erst recht spät und liefen dann bis zum Sonnenuntergang, nach dem es ja dann trotzdem noch nahezu taghell war.

Sonnenuntergang

Das Essen

Was isst man auf so einer Tour, wenn man möglichst viele Kalorien in möglichst wenig Gewicht pressen will. Es gab jeden Tag ein anderes gefriergetrocknetes Mahl, das teilweise auch noch auf die Geschmacksnerven einen positiven Einfluss hatte. Sogar 2 sog. MREs (Meal ready to eat) hatte ich dabei. Diese enthalten schon alles Wasser, man muss sie nur im Wasserbad erhitzen. Nachteil ist, dass sie ziemlich viel wiegen. Aber nach zwei Tagen waren sie auch schon verspeist. Gekocht haben wir mit Gas. Benzinflaschen hatten wir auch mit, aber es war einfach sauberer mit Gas zu kochen. Der Primus Omnifuel frisst ja in dieser Hinsicht alles, was man ihm präsentiert. Es gab einen Topf und einen Becher, dazu noch Outdoor Plastebesteck und damit war die Küche dann auch schon komplett. Neben Wasser gab es jeden Morgen noch einen Kaffee und auch ein paar Teebeutel schleppte ich jeden Tag herum. Das war es dann aber auch schon.

Kleidung und Zelt

Warm halten ist sehr wichtig oberhalb des Polarkreises. Leider sind die Temperaturschwankungen auch recht hoch, weshalb man sich tagsüber auch mal T-Shirts und für Abends und Nachts warme Kleidung mitnehmen muss. Je nachdem, wann man die Tour macht, so muss man Nachtfrost einplanen. Die Nächte Anfang August liegen immer bei cira 5°. Schon Anfang September wird es meist nicht mehr als 10° warm und es schneit bereits. Mein Schlafsack hatte eine Komforttemperatur von -1°, daher genau richtig für die Temperaturen dort. Dazu noch eine Isomatte und man konnte gut schlafen. Als Zelt diente mir ein Nordisk Telemark II, das ich vor der Tour noch nie benutzt hatte.  Es war als Einmannzelt perfekt und mit 950g auch superleicht. Dem Wind hielt es ebenfalls stand.

Die Strecke selbst

Der Arctic Circle Trail umfasst insgesamt circa 170km. Startet man am Ice Cap, wie es manche taten, so kommen nochmal 30km, also knapp 2 Tage hinzu. Damit ist die Strecke logistisch schon eine Herausforderung. Anfangs mit 26kg bepackt, gab es Mitstreiter, die sogar 34kg auf dem Rücken hatten. Meine Knie mussten sich aber nach der Tour erstmal regenerieren. Das Gewicht ist über die Topografie und Länge der Strecke schon eine Herausforderung. Allerdings ist es auch eine, an die man sich gewöhnt. Nach ein paar Tagen wurde die tägliche Tour immer leichter, nicht nur weil der Rucksack auch langsam leichter wurde.

Ich würde empfehlen, die Tour von Kangerlussuaq aus zu machen. So hat man den schwierigeren Teil am Ende, denn die Tour ist deutlich bergiger, als ich angenommen hatte. Zuerst startet sie sehr flach und unspektakulär. Bald kommt man allerdings in aufregendere Gefilde.

Tundrabrand

Während unserer Tour wurden wir Zeuge eines größeren Tundrabrandes, der den gesamten Weg auf diesem Streckenteil aufgefressen hatte. Wir mussten hier teilweise durch das Wasser des angrenzenden Sees laufen, denn der Brand war zu groß um hindurch zu laufen. Sowas hätte man in Grönland nicht erwartet. In Anbetracht des extrem trockenen Klimas dort und des Torfbodens aber auch nicht verwunderlich, dass dort Schwelbrände entstehen können, die dann unterirdisch weiter brennen. Der Brand wurde vermutlich von Wanderern entfacht, die unvorsichtig waren und kleine Lagerfeuer hatten.

 

Tundrabrand im Sommer in Grönland

 

Der Weg nach Sissimiut

Tag für Tag nagen wir uns also Richtung Sissimiut, der zweitgrößten Stadt Grönlands mit 5000 Einwohnern, gelegen direkt am Nordatlantik. Es ist Arbeit, allerdings gibt sie ein gutes Gefühl und die Atmosphäre der Landschaft lässt einem zu Beginn den Mund offen stehen. Es ist unglaublich still, da es nur einige Vögel gibt, die allerdings recht winzig sind. Gepaart mit der wirklich wahnsinnigen Ferne, in die man permanent schauen kann, so kommt man ins Nachdenken über Gott und das Leben und wie unbedeutend doch eigentlich alles ist.

Infrarotaufnahme
Blick auf einen Fjord

Zwei Tage vor Ende der Tour mache ich mich selbständig. Ich will den Rest der Tour umleiten und noch zu einer kleinen verlassenen Inuitsiedlung über einen Bergrücken. Der Weg ist nicht markiert und irgendwie nur mit dem GPS zu finden. Aber in Grönland habe ich gelernt, dass man keine Wege braucht. Nach einem fliegenreichen Aufstieg durch Feuchtgebiete, komme ich an einen See, in dem ich erstmal abtauche um mal wieder sauber zu werden. Nach einem wunderschönen Bad, steige ich weiter hoch über den Berg. Die Aussicht, die sich mir dort dann bietet, ist wirklich Wahnsinn. Das erste Mal sehe ich den Nordatlantik und kann wahrscheinlich 50km weit ins Landesinnere schauen über einen Fjord hinüber. Hier habe ich dann meine letzte Nacht in der Wildnis verbracht. Am nächsten Tag bin ich dann in die kleine Geisterstadt abgestiegen. Dort gab es aber keine wirklich interessanten Dinge. Ein paar leerstehende Häuser, ein Friedhof und ein kleiner Hafen, mehr ist es nicht.

Endspurt

Danach führte ein langer und beschwerlicher Weg nach Sissimiut. Ich habe den Weg immer wieder verloren, weil dort einfach niemand  langgeht. Dadurch gelang es mir jedoch, noch einen Polarfuchs zu fotografieren, der mir am Ende sogar noch gefolgt ist. Angekommen in Sissimiut marschierte ich dann zuerst zum Supermarkt, da ich mittlerweile genug hatte von Tütenessen. Deshalb kaufte ich mir Käse und Brot. Leider gibt es in Grönländischen Supermärkten, die Namen wie Pisifikk tragen nur dänische Exportware, außer lokal gefangenem Fisch. Später habe ich mich dann mit anderen Wanderern auf der Straße unterhalten und beschlossen, dass es jetzt mal an der Zeit wäre, in die Jugendherberge einzuziehen. Die erste Dusche nach 10 Tagen war grandios. Auch traf man hier viele Wanderer, die den Trail gemacht hatten und die nun ausspannten, oder solche, die ihn noch vor sich hatten. Es waren viele Nationalitäten vertreten. Deutsche, Österreicher, Belgier, Neuseeländer, Holländer und Dänen natürlich. Viele hatten den Track schon einmal gemacht. Alle bestätigten, dass die Frequentierung sehr stark zugenommen hat. Vermutlich ist 2017 das Jahr mit den meisten Wanderern gewesen. Rund 300 pro geistert als Zahl im Netz herum. Laut den Ortskundigen liegt die Zahl aber eher bei 1200-1500. Keiner weiß es genau. Der Trail ist immerhin völlig ungemanaged und somit auch ohne Müllentsorgung oder ähnliches. Viele Dinge lagen auch am Wegesrand. Vermutlich sind sie größtenteils einfach weggeflogen im Wind.

In Sissimiut

Der Ort Sissimiut selbst besteht aus Menschen und Hunden. Die Menschen zerfallen in Inuit und Dänen, von denen ebenfalls einige dort leben. Zu bestimmten Zeiten hört man immer Bellen aus verschiedenen Ecken der Stadt. Die Hunde des Winters sind im Sommer eben nutzlos und werden quasi abgestellt. Nur die jungen Hunde dürfen frei herumlaufen.

Das Verhältnis zwischen Dänen und Inuit ist nicht konfliktfrei und wahrscheinlich 90 zu 10 für die Inuit. Die Dänen beanspruchen Grönland weiterhin als ein Teil Dänemarks und die asiatischstämmigen Grönländer wären gern unabhängig. Alle, mit denen ich gesprochen habe, können sich keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. Sie wirkten glücklich, obwohl es offensichtliche Probleme mit Alkohol im Land gibt.

Ein Däne im Flugzeug sagte mir, dass für alle höher bezahlten Jobs jemand aus dem Ausland kommen muss. Im Land gäbe es keine Fachkräfte. Er beschrieb die Unterschiede in der Bildungsaffinität und implizierte, dass sich meist die Inuit nicht für ihren Lebensstandard abrackern sondern die Situation so hinnähmen. In einem Gespräch mit einem Inuit wiederum hörte ich die Kritik, dass die Dänen die Jobs eben nur an Dänen weitergäben. An beiden wird aus anderen Gründen etwas dran sein. Jedenfalls ergeben sich hier gewisse Konflikte, die man recht schnell mitbekommt.

Die Inuit erscheinen mir gegenüber wahnsinnig herzliche und sehr entspannte Menschen zu sein. Ich wurde von verschiedensten Menschen auf der Straße angesprochen und wir wurden sogar mit Fisch beschenkt.

Wetterkapriolen

Das Wetter in Grönland kann auch im Sommer immer mal wieder komplett verrücktspielen. Das hat dann erhebliche Folgen für den Flugverkehr. Ich selbst müsste das erleben. Meine Rückkehr war am Ende erst 3 Tage später und kostete mich nochmal knapp 300€ extra, nur weil plötzlich in Grönland im ganzen Land nichts mehr passiert ist in der Luft. Der Grund war, dass sich eine Nebelfront über das Land schob, diesige kleinen Flughäfen lahmlegte. Die fliegen nur auf Sicht und beliefern das Drehkreuz Kangerlussuaq. Wenn in diesem System etwas ausfällt dann fliegt der große Airbus nicht und alles verzögert sich immer weiter. Aus diesem Grund saß ich mit noch anderen 2 Tage fest. Man sollte die Tour durch das Land nie zu eng planen, da es immer passieren kann.

 

Beste Planung

Die Tour ist schlichtweg wunderbar. Freiheit, Ruhe und atemberaubende Landschaft gehen zusammen mit wirklich glücklichen Umständen, wie wenig Regen und ständiger Verfügbarkeit von Wasser bester Qualität. Ich würde mir für das nächste Mal noch einen Tag mehr nehmen für die Tour und insgesamt 10 oder 11 Tage planen. Es gibt einige wunderschöne Plätze mit Sandstrand oder auf Bergspitzen, an denen man sich so schnell nicht sattsehen kann. Daher kann man dort auch gern einmal länger bleiben. Wir hatten so gutes Wetter, dass wir baden und schwimmen waren in den Seen.

Je später man fährt umso weniger Mücken gibt es. Besonders in den Tälern mit viel Wasser ist das hilfreich. Ein Moskitohut ist ein absolutes Muss. Sie stechen nicht, sie beißen förmlich. Der Polarfuchs ist aber lieb gewesen.

Viel Spaß!

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Rennradtour Oder-Neiße Radweg // 200 km

Rennradtour Oder-Neiße Radweg // 200 km

Morgens um 6:30 breche ich vom Bahnhof Friedrichstraße auf nach Frankfurt mit dem Zug. Eine Stunde kann ich mir Ruhe gönnen, bis die Strecke, die ungefähr 200km des Oder-Neiße Radweg umfasst, beginnt. An diesem Tag bin ich allein unterwegs und will nach Görlitz. Das Wetter ist Anfang April sehr warm und ich habe großes Glück, dass den ganzen Tag die Sonne scheinen wird. Der Zug ist pünktlich und angenehm leer, da es noch in der Woche ist. Ich sause vorbei an allerlei Pendlern, die in die Gegenrichtung in die Stadt fahren um zu arbeiten. Ich muss heute nicht…jedenfalls nicht im Büro.

Rennrad Cannondale im Zug
Sonnenaufgang im Zug nach Frankfurt

Frankfurt an der Oder bis Eisenhüttenstadt

Halb 8 lande ich in Frankfurt bei circa 3° Außentemperatur. Ich besorge mir beim Bäcker noch ein Schweineohr und fahre dann zügig bergab, genau Richtung Oder. Der Weg ist leer, die Sonne scheint, noch ist mir kalt. Aber das ändert sich schnell, da ich jetzt mit Geschwindigkeit fahren kann. Hinter Frankfurt führt der Track nochmal weg von der Oder ins Hinterland. Es ist immernoch wunderschön leer und auch die Temperatur steigt schnell – es wird angenehm warm. Bei Beeskow-Finkenheerd geht es dann runter direkt an die Oderdeiche auf diesen nun fast die gesamte Tour verlaufen wird.

Weiter geht es in den Mäandern der Oder bis Eisenhüttenstadt. Vor der Stadt steht ein riesiges altes Kraftwerk noch aus der Zeit vor ’45 als hier Energie für den Krieg erzeugt wurde. Das Kraftwerk Vogelsang steht majestätisch und dunkel, die Oderauen überblickend. 1945 wurden die Anlagen demontiert. Seitdem steht es im Rohbau. Dort oben einmal übernachten….hoch oben, das wäre was.

Nach Eisenhüttenstadt sollte man einmal reinfahren und sich die sozialistische Planstadt anschauen. Man bekommt hier einen sehr guten Eindruck von der Ästhetik der damals noch jungen DDR. Leider ist die Stadt hoffnungslos überaltert und wird wohl irgendwann einmal ein Museum, wenn die Generation, die einmal hier mit Gründung von Stalinstadt angefangen hat zu leben, weg sein wird. Junge Menschen gibt es hier kaum. Dafür eine komplett unter Denkmalschutz stehende Innenstadt. Das große Stahlwek, der Grund, warum die Stadt gegründet wurde, sieht man aus dem Zentrum von fast jedem Ort. Ich fahre nun weiter, wieder zurück an die Oderauen um ,,Kilometer zu machen.” Bisher sind nur circa 40 davon geschafft. Der Oder-Neiße Radweg führt direkt hinter der Stadt weiter.

Von Eisenhüttenstadt über Guben nach Forst

Das Wetter wird immer Besser. Jetzt folgt Kilometer um Kilometer am Deich entlang bis Guben vor mir liegt. Auffällig sind die vielen Brückenköpfe über die Oder, die hier als Relikte der früheren Verbundenheit der Landstriche östlich und westlich der Oder immer wieder den Wegesrand verzieren. Am südlichen Stadtausgang von Guben gibt es sogar noch eine intakte Eisenbahnbrücke von vor dem Krieg. Ein Gleis war demontiert worden und ein anderes führte über den Fluss. Mittlerweile fahre ich schon entlang der Lausitzer Neiße. Die Oder knickt bei Neuzelle schon Richtung Osten ab.

Früher war die gesamte Gegend ein Textilzentrum mit vielen Betrieben und Fabriken. Heute stehen diese leer oder dienen anderen Zwecken. In Guben hat Gunther von Hagen seine Plastinationsfabrik in einer ehemaligen Hutfabrik. Es gibt viel Freiraum zum kreativen Sein in diesen Landstrichen. Auf der weiteren Strecke entdecke ich auch andere Fabriken direkt am Fluss. Die meisten sind leer.

Der Oder-Neiße Radweg führt auch an Forst vorbei. Auch hier sieht man vergangene industrielle Stärke in Form von Stadtstruktur, die bessere Zeiten erahnen lässt. Es gibt Villen und große Fabriken.

Die Neißepromenade ist neu gemacht. Man kann an vielen Stellen auch die Lausitzer Neiße überqueren. Die Verbindungen auf die andere Seite werden immer zahlreicher nach der langen Trennungszeit.

Von Forst nach Bad Muskau

Ab jetzt beginnt ein sehr langes Stück Weg, auf dem eigentlich nur kleinere Dörfer kommen und viel Wald und Wiesen. Ich kampiere für eine halbe Stunde am Deich und schlafe eine halbe Stunde, bevor es weitergeht. Es ist schon unglaublich warm in der Sonne. Vor Muskau gibt es einen wunderschönen Ziegenhof ( ziegenhof-wolfsschlucht.de), auf dem man auch pausieren könnte, wenn man noch Zeit hätte. Der Ort ist malerisch gelegen, direkt am Fluss, auf der anderen Seite eine weitere verwunschene Frabrik. Ich halte nicht an und fahre weiter nach Bad Muskau.  Hier gibt es einen Pücklerpark, der ohne Rennrad sehr schön zu erkunden ist. Für mich geht es jetzt aber weiter zum letzten Abschnitt.

In den Sonnenuntergang nach Görlitz

Von Bad Muskau sind es noch circa 50km bis nach Görlitz. Mittlerweile bin ich schon empfindlich gegen jede Steigung, die auf dem Weg das Fortkommen beeinträchtigen. Nach 150km habe ich kaum noch Energie, da die großen Strecken für mich auch nicht alltäglich sind mit dem Rad. Doch es geht weiter. Mittlerweile sinkt die Aprilsonne schon bis knapp über die Baumkronen. Ich halte nun kaum noch an, sondern fahre immer weiter. Der Weg der letzten Etappe von Bad Muskau bis Görlitz ist scheinbar unendlich. Doch mit genügend Willenskraft habe ich am Ende des Tages 200km auf dem Tacho und freue mich auf ein Bier und Kaminfeuer.

Fazit: Der Oder-Neiße Radweg ist wunderbar

Die hier beschriebene Tour ist wunderschön gewesen und mit dem Rennrad perfekt machbar. Die Streckenqualität ist beinahe den gesamten Weg über wirklich sehr gut. Es gibt keine verkehrsbelasteten Zonen. Menschen trifft man eigentlich nur in der Nähe der Städte. Im Sommer ist sicherlich mehr los auf dem Weg, aber das sollte sich immernoch im Rahmen bewegen. Ich werde die Tour jedenfalls wieder machen.

Vogelsang direkt am Oder-Neiße Radweg
Das Kraftwerk Vogelsang
Alte Eisenbahnbrücke bei Guben
Eine der vielen alten Brücken über die Neiße – diese hier ist noch original
Gedenktafel Vertreibung aus Schlesien
Eine Gedenktafel für die Vertreibung der Bevölkerung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

 

Island – Land aus Feuer und Eis

Island – Land aus Feuer und Eis

Island im Winter Wind – mit diesem Wort kann man Island eigentlich im Winter ganz gut charakterisieren. Die Stürme sind schon etwas, das man in Zentraleuropa nicht findet. Wir haben auf Island Weihnachten in einer kleinen Hütte verbracht.  Auch im Landesinneren waren wir unterwegs und […]