Bikepacking in Ostbrandenburg Winter 2020/21

In hiesigen Gefilden findet man ihn dieser Tage nicht mehr. Frosttemperaturen sind selten geworden. Der Winter kann meist nur noch weiter östlich im kontinentaleren Inland und in Alpennähe angetroffen werden. Die nördlichen Tiefbenen erfahren ihn recht selten. Doch im Januar 2021 können wir ihn auf einer 3-tägigen Tour durch die Wälder Ostbrandenburgs erleben. Von Osten zieht kalte Luft bis ins östlichste Deutschland in die Tiefebene des Oderbruch und hält sich ein paar Tage dort.

Bei teilweise knapp -10° in der Nacht verbingen wir 2 Nächte in den Wäldern und insgesamt zweieinhalb Tage. Die Wege sind verschneit und es gibt viele umgestürzte Bäume. Ein Lagerfeuer lässt uns bis spät in die Nacht die Atmosphäre genießen und es wird Steak gebraten und Honigschnaps getrunken. Es ist eine Wintertour wie aus dem Bilderbuch. Am Ende der Tour in Chorin kommt dann nochmal ordentlich Schnee, als auch die Temperaturen wieder steigen. Pünktlich zum Tourende liegt die Temperatur bei knapp unter 0° und der Schnee wird zu Regen. In Berlin ist der übliche Matschwinter zurück. Doch die Hoffnung auf weitere Winterepisoden bleibt bestehen.

Der Tourenverlauf

Die Tour beginnt am Bahnhof Werneuchen und verläuft vorbei am Flugplatz Werneuchen. Das erste Ziel ist der Gamensee und der damit auch beginnende Waldabschnitt, der bis Bad Freienwalde auch nicht mehr unterbrochen wird. Von hier hat man das Gefühl, sich in einem riesigen Wildnisgebiet zu befinden. Auch im Sommer ist die Tour sicherlich eine Schönheit, da man an potentiellen Badeseen ebenfalls vorbeikommt. Die 70km sind für die Zeit, die wir geplant haben eigentlich sehr wenig. Man darf aber nicht vergessen, dass die Tour auf zerfurchten Waldwegen verläuft und sich unheimlich viele für Brandenburg auch besondere Sehenswürdigkeiten am Wegesrand bieten, wenn man ein Auge dafür hat.

Je weiter man nach Bad Freienwalde kommt, umso mehr gleicht die Landschaft einem Mittelgebirge. Durch vereinzelten Fichtenbestand hat man dann vollends das Gefühl, sich eigentlich im Harz oder in Thüringen zu befinden, statt in Brandenburg. Schutzhütten gibt es dort auch immer mehr. Diese sind auch geeignet um drin zu übernachten. Wir bevorzugen im Winter jedoch ein Fichtendickicht in einer Schlucht. Es ist unglaublich Still und die Sterne leuchten durch die Baumkronen.

Hinter Bad Freienwalde durchqueren wir dann das Oderbruch und die Landschaft weist einen völlig anderen Charakter auf. Wir überqueren die alte Oder auf einer Vorkriegsbrücke der Eisenbahnlinie Freienwalde-Zehden, die es schon lange nicht mehr gibt. Weiter geht es dann Richtung Oderberg über den Inselwanderweg. Es bieten sich immer wieder schöne Blicke ins Oderbruch.

Letzter Abschnitt Oderberg nach Chorin

Vom sehr schönen Oderberg aus geht es weiter nach Chorin, größtenteils auf Kopfsteinpflaster und im sich vertiefenden Schnee. Die Strecke ist wunderschön. In Chorin gibt es dann wieder Bahnanschluss nach Berlin.


Die wahrscheinlich letzte größere Tour dieses Jahres führt mich nach Weinböhla bei Dresden. Es geht diesmal um viele Kilometer, nicht so sehr um Landschaft oder einen phänomenalen Platz zum Schlafen. Es gibt einen wichtigen Termin in Weinböhla. Warum nicht mit dem Rad? Eigentlich ist es eine Rennradtour, da so viele Straßen involviert sind, jedoch biege ich hin und wieder auch mal wieder in waldige Passagen ein. Ein Rennrad würde hier nur bedingt durchkommen.

Das Problem mit dem Tageslicht

Ursprünglich will ich eigentlich in zwei Tagen nach Dresden und wieder zurück, es zeigt sich aber, dass Anfang Dezember nicht viel Tageslicht übrig ist. Es reicht bis kurz vor dem Ziel, am nächsten Tag erkunde ich noch die Region um Weinböhla und kehre nach 90 km an dem Tag über Elsterwerda im Dunkeln wieder zurück. Ab Elsterwerda fahre ich dann mit dem IC wieder nach Berlin. Insgesamt ist die Tour mit 220km für zwei Tage genau richtig um sich auch noch ein paar Dinge anzuschauen.

Die Sache mit dem Track

Leider ist mir bei Buckow das GPS abgestürzt und beim erneuten Hochfahren wurde der Track nicht mehr geloggt, daher enthält der Track nicht alle Informationen Er soll dennoch einen Überblick geben.

In Blankenfelde geht es Richtung Dahlewitz einfach immer nur nach Süden. Erstes Ziel ist der Ort Dahme mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer. Lange halte ich mich nirgends auf. Die Zeit drängt. Die Sonne steht tief. Die Luft ist mit -1° winterlich kalt. Es ist ein schöner Tag und ich sammle ab jetzt jegliche L und K Straßen, auf denen es direkt nach Süden weitergeht. Ich sammle auch interessante Ortsnamen an diesem Tag. Ein Ort heißt Beutersitz, ein anderer Wildgrube. Auch im Frauenhain weile ich ein wenig, bevor es mittlerweile an Bundesstraßen mit gestreuten Fahrradwegen Richtung Sachsen geht. In einem Wald namens Pfeifholz schlage ich mein Lager auf, es dämmert schon lange und die Lastwagen kommen mir zu nah auf der Bundesstraße. Mit meinem Funzellicht am Rad ist mir das nicht geheuer. Eigentlich wollte ich schon bis Weinböhla fahren, aber ich übernachte dann doch im Pfeifholz. Es ist ein typischer Plantagenstockwald im Kiefergepräge, der den Namen Wald nicht verdient. Der Wind wird stärker, die Temperatur steigt. Der Stockwald klappert und knarzt in allen Lagen.

Weinböhla

In Weinböhla bin ich dann am nächsten Morgen. Die Sonne scheint, das Wetter ist gut. Ich beschließe, den Tag langsam zu machen und in die nahegelegenen Wälder zu fahren, in denen Teiche liegen sollen, die sehr schön sind auf den Bildern. Ich meide die B101 und halte mich im Osten, fahre über Schloss Lauterbach nach Kalkreuth über Land nach Elsterwerda. Hier nehme ich dann den Zug. Die Tour endet im Dunkeln, so wie sie anfing. So ist das im Dezember.

Eigentlich hätte uns diese Reise nach Sibirien führen sollen. Wegen der russischen COVID-19-Einreisebestimmungen musste aber etwas Neues gefunden werden. Etwas, das der sibirischen Wildnis in etwa gleich kommt. In Europa bietet sich dafür das nördliche Schweden an. Es gibt hier noch sehr unberührte Wildnisgegenden, in welche ich mich mit einem guten Freund von mir (Richard Löwenherz: http://www.lonelytraveller.de/ ) mit Boot und Fahrrad hineinbegeben habe.

Tourenplanung

Die Tour führt als Kombination aus Radetappen und Bootsstrecken langsam in immer straßenlosere Gebiete, eine Seenkette hinauf und schließlich ein Stück entlang des Nordkalottleden, über einen Pass auf etwa 1000m, um dann in Ritsem in der historischen Provinz Lappland zu enden. Ursprünglich war die Tour sogar noch länger geplant, jedoch waren Windverhältnisse und Umtragepassagen so zeitraubend, dass in den knapp 20 geplanten Tagen dann doch nur Ritsem erreicht werden konnte.

Entlang des Piteälven durch nordische Taigawälder

In Moskosel gibt es eine Stichstraße, die circa 200 Kilometer nach Nordwesten führt, direkt entlang am Piteälven, hin zur Seenkette und zum Tjeggelvas. Diese Straße überquert auch den Polarkreis.

Bei bis zu 30 Grad und einer Horde Mücken kämpfen wir uns 3 Tage durch diese Landschaft, begegnen Rentieren und lagern an Bächen und Seen, an denen wir auf Lagerfeuern abends Buchweizengrütze und morgens Milchreis kochen. Solange die Witterung und das Holzvorkommen es zulassen, schonen wir unsere Gasreserven.

Während der dreitägigen Passage ändert sich das Landschaftsbild nur unwesentlich, jedenfalls am Anfang. Erst am Tjeggelvas wird die Landschaft dann gebirgig und wir kommen an immer größeren Seen vorbei.

Ursprünglich haben wir für die erste Straßenetappe von Moskosel zum Tjeggelvas 3 Tage anberaumt. Das hätte auch geklappt, wenn wir nicht bei ein paar gastfreundlichen Schweden noch eine Nacht extra verbracht hätten.

Einstieg in den Tjeggelvas

Welche Schwierigkeiten gibt es auf der Route? Die Tatsache, dass man gen Westen eine Seenkette aufwärts fährt, führt dazu, dass man nicht nur gegen die Strömung ankämpft, sondern auch gegen die starken Westwinde, die im arktischen Norden von Norwegen herüberkommen.

Die Seenkette, beginnend mit dem Tjeggelvas, dauert bedeutend länger. Auch wegen der Umtragungen durch Morast und über Felsen. Es bietet sich somit an, die Tour vom Nordkalottleden aus mit Zugang von Sulitjelma (Norwegen) oder Kvikkjokk zu planen, wenn man nur die Seenkette als Tour machen möchte. Auch als Einzeltour eignet sie sich wunderbar.

Trotz Gegenwind und schwierigen Passagen, haben wir die eingeschlagene Richtung nicht bereut: Das folgende Hochplateau und der Padjelanta Nationalpark waren Highlights unserer Tour.

Vom Tjeggelvas zum Pieskehaure

Die gesamte Seenkette hindurch bieten sich immer wieder atemberaubende Lagerplätze, an denen man sich ungestört von jeglicher Zivilisation von den Paddeletappen erholen kann.

Die Umtragestellen sind das notwendige Übel, das man in Kauf nehmen muss, wenn man mit jedem See weniger Spuren der Zivilisation finden möchte. Anfangs gibt es noch Boote, die mit dem Relayprinzip einen maschinenbetriebenen Verkehr möglich machen. Je weiter man aufwärts kommt, desto weniger werden es.

Nordkalottleden mit dem Fahrrad

Wie ist es wohl, in der arktischen Tundra und einer eiszeitlichen Steinbrockenlandschaft mit einem Fahrrad, das über 60 Kilogramm wiegt über Pässe zu reisen? Diese Frage haben wir uns vor der Tour gestellt - und können sie jetzt beantworten: Es ist möglich, grenzt aber schon fast an Selbstgeißelung, nicht zuletzt durch die eiszeitlichen Findlingsbiester, die überall im Weg liegen.

Auf der anderen Seite bekommt man so Routen zusammen, die anders nicht möglich sind. Paddeln, Radfahren und Bergsteigen, alles mit einem Set Equipment ist schon beeindruckend. Dafür zahlt man dann den Preis, dass es an bestimmten Stellen einfach nur noch modular vorangeht, indem das Rad abgepackt wird und man alles den Hang hochzieht. Doch irgendwie geht es voran, auch wenn man oft fluchend die Frage stellt, was das eigentlich soll. Das haben sich scheinbar auch die uns entgegenkommenden Wanderer gefragt, denn das erste, was wir bei diesen Begegnungen immer wieder hörten, war ein erstauntes "Cykel!!" - wie kommt wohl ein Fahrrad mit Paddeln auf den Berg?

Doch nach jedem Aufstieg kommt auch ein Abstieg. Dann spielt das Fahrrad wieder seine Stärken aus und man kann den Weg nach unten mehr oder weniger bequem auf dem Rad bewältigen.

Virihaure

Der größte See im Padjelanta Nationalpark ist der Virihaure. Wir erblicken ihn das erste Mal von hoch oben. Bei Sonnenschein und in tiefster Stille. Anscheinend nicht alltäglich, wie uns Wanderer berichteten. Da wir nun mit der Bergetappe die Wasserscheide überschritten haben, ist die Strömung nun auf unserer Seite. Allerdings bedeutet das nicht viel, da der Wind entscheidend ist. So auch auf dem Virihaure. Wir haben Glück, es weht ein sehr starker Wind aus Südost, der uns geradewegs mit riesigen Wellen auf die andere Seite schiebt. Bei Gegenwind hätte man hier keine Chance.

Mit der Strömung durch die letzten Seen vor Ritsem

Nachdem wir mit Rückenwind in wenigen Stunden den Virihaure überquert haben, geht es per Umtrage in den Vastenjaure. Die Landschaft mutet arktisch an. Karg und schroff. Völlig verändert von der anfänglichen Polartaiga. Mit Gegenwind kommen wir anfänglich nur langsam voran, dann etwas schneller, bis wir am Ende des Tages tatsächlich das Ende des Vastenjaure am Horizont erkennen. Zu zweit trauen wir uns über den riesigen See, auf dem jederzeit die Windrichtungen wechseln können - immerhin waren wir auch nur mit Einkammerbooten unterwegs, die wenig Auftrieb bieten, sollte sich mitten im See die Luft verabschieden. Am Ende des Vastenjaure bietet sich ein bizarres Bild einer Lappensiedlung und einer silhouettenhaften Pyramide aus Eiszeitablagerungen. Durchgefroren machen wir hinter der Pyramide Rast und schlagen in der Dämmerung unser Lager auf. Es regnet bereits seit vielen Stunden und die Temperatur liegt im niedrigen einstelligen Bereich.

Wildwasserfahrten

Nach dem Vastenjaure verengt sich die Seenkette und fließt mit teilweise sehr schneller Strömung und Wildwasserpassagen hin nach Ritsem. Es kommen noch einige Seen, aber bis zum Kutjaure kann man theoretisch mit sehr schneller Fahrt rechnen. Eventuell sind die Wildwasserstellen auch in anderen Wasserständen nicht zu befahren, das ist mir derzeit nicht bekannt. Ich selbst verliere in der letzten Stromschnelle mit dem beladenen Packraft die Kontrolle und kentere im Strom. Das muss aber nicht jedem passieren. Mein Freund Richard kommt direkt durch. Hinter dem Kutjaure, nach dem man man meiner Meinung nach nicht mehr so einfach weiterfahren kann, steigen wir aus und schieben alles durch die Pampa. Es folgt noch eine Übernachtung neben dem Nordkalottleden, auf dem wir bis zum Akkajaure durch die bessere Bodenbeschaffenheit sogar einige größere Strecken fahren konnten. Am folgenden Tag endet die Tour für mich an der Fjällsstation, von der eine Fähre mich über den See nach Ritsem bringt. Richard nimmt sich noch etwas mehr Zeit, um den See mit dem Boot selbst zu überqueren. Ich mache mich mit Rad und Bussen auf den langen Rückweg zum Auto.

Mit dem MTB von Berlin nach Görlitz

In den letzten Dezembertagen des maskenfreien 2019 beschloss ich, wieder einmal nach Görlitz zu fahren um mein Auto zu holen, das sich über den Winter dort befand. Diesmal sollte es eine komplette Offroadtour werden, die sich gänzlich abseits von Straßen verläuft, erst Richtung Osten nach Forst, dann an der polnischen Grenze entlang auf polnischer Seite über Scheuno im Bunkerwald, zum Bad Muskauer Pücklerpark und dann wieder westlich der Neiße. Ich hatte mir für die Tour 3 Tage Zeit genommen.

Nahezu gänzlich ohne Straßen läuft die Route 225km durch Brandenburger Forste. Man hat förmlich das Gefühl, dass es zwischen Erkner bei Berlin und der polnischen Grenze nur Wald und Wiesen existieren.

Für einen Teil der Route wurde ich von der Bikepacking Trans Germany inspiriert. Für den letzten Teil habe ich diese dann abgerundet und ab Bad Muskau weiter an der Grenze durchlaufen lassen, bis ich in Neißeaue, kürz vor Görlitz herauskam.

Neblig-sonnige Winterstimmungen

Die speziellen Wetterlagen der Wintermonate lassen eine melancholische Ruhe im Land entstehen, die sich die gesamte Tour hindurch zeigte. Wer eine Tour sucht, die ihn abseits der Straßen durch das deutsche Flachland brandenburgischer Prägung führt, so empfehle ich ihm diese Route. In ein Paar Tagen ist die Tour gut machbar.

Staubige, sandige Pisten und eine Form der Stille, wie man sie nur aus Hochlagen der Alpen kennt zeichnet die Wüste Moab aus. Im Südwesten der USA eröffnete sich mit unserer Tour dort eine völlig neue Landschaftswelt, die wir, leider nur 3 volle Tage lang, auf dem White Rim Trail erfahren wollten.

Der White Rim Trail ist eine Offroadroute, die die meisten Amerikaner eigentlich nur mit entsprechenden motorisierten Fahrzeugen befahren. Ausländische Touristen trifft man kaum. Es gibt mit Fahrzeugen unterstützte und organisierte Touren mit MTB, jedoch wollte ich komplett unabhängig sein und jeden Kilometer aus eigener Kraft erstreiten.

Wasser

Mit dabei waren circa 25L Wasser pro Person. Wir haben Opulenz groß geschrieben, was sich am Ende auch als richtig herausgestellt hat. Auf der Tour platzte einer der Wasserbehälter, die jeweils eine Gallone, also knapp 4L Wasser unbrauchbar machten. Auf der Route kommt man erst sehr spät an den Green River und dieser ist auch nur bedingt zu genießen, selbst mit gutem Wasserfilter, wie wir ihn hatten.

Permits

Schwierig ist es, im Oktober die Permits für Übernachtungen zu bekommen. Die Zeltplätze sind reservierungspflichtig, es gibt einen regelrechten Run darauf. Daher waren wir überglücklich, ein paar dieser Permits zu ergattern. Am Ende stellte sich dann aber heraus, dass unser Zeltplatz offiziell ausgebucht war, wir jedoch völlig allein darauf waren.

Route

Die Route selbst ist eine Rundtour, man braucht also keinen Shuttleservice einzuplanen. Insgesamt sind 3 Tage gut machbar, aber wenn man Zeit haben will, sollte man mindestens 4 Tage einplanen. Das erfordert dann natürlich aber auch mehr Wasser. Sollte man sich jedoch verkalkulieren, helfen einem die doch zahlreichen motorisierten Gefährte weiter. Hier haben wir viel Hilfsbereitschaft erfahren. Man kann also nicht verdursten.

Erster Tag der Tour

Eine Runde kann man natürlich in beide Richtungen fahren. Wir entschieden uns, die Tour im Uhrzeigersinn zu fahren. Damit hatten wir den hässlichen Teil auf dem Highway 313 an erster Stelle und konnten uns dann über eine Abfahrt über den Shafer Trail freuen. Mineral Bottom ist also unser Startpunkt - es geht erstmal hinauf auf's Plateau.

Nach dem Highway, an dem wir zuvor mit dem Auto Wasser versteckt hatten, das wir danach aufnahmen, ging es also auf die eigentliche Tour.

Die Abfahrt am Shafer Trail war spektakulär. Erfrischend, im Schatten, dann im Wüstensengen. Noch konnten wir einfach rollen, dann aber wurde es heiß und anstrengend. Das erste Highlight ist Musselman Arch, wir finden jedoch, dass eigentlich die Landschaft selbst erstmal Stunden braucht um zu wirken. Am ersten Abend dann der Sternenhimmel, den man nur dort sieht, wo wenig Menschen leuchten.

Tag zwei und drei

Beide Tage fasse ich hier zusammen, da die Highlights eigentlich nicht mit vielen Worten zu fassen sind, sondern sich in immer neuen Aussichten und Landschaftsorgien abspielen.

Wir brechen früh auf am zweiten Tag und nutzen das kühle Morgendwetter. Lange dauert es nicht bis in der Wüste die Hitze auf alles niederprasselt. Den Tag über folgen immer weitere Abbrüche vom sogenannten Rim. Wir fahren auf der Canyonkante, woher der Trail auch seinen Namen hat. In den folgenden Bildern sieht man es recht gut.


Der Dritte Tag

Nach der zweiten Nacht erwartet uns ein besonderes Schauspiel der Wüstenregionen zu dieses Jahreszeit. Der Sonnenaufgang. Die Tafelberge erscheinen in einem ganz besonderen Licht. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben.


Kanten, Kanten, Kanten

Das verbindende Element dieser Landschaft sind die immer wieder in neuen Formen auftretenden Abbruchkanten, die sich in verschiedensten Formen dem schwächsten Material folgend überall breitmachen. Dabei entwickelt die Landschaft eine form von Ebenen. Wir bewegten uns eigentlich konstant erst auf der dritten und obersten, dann meistens auf der zweiten Ebene um dann am Schluss hinunter zum Green River zu kommen, der auf der untersten Ebene liegt.

Der Green River als Finale

Schlussendlich kommen wir an den Green River hinunter, an dem sich urplötzlich auch die Vegetation wieder völlig anders, inselartig mit dichtem Gestrüpp darstellt. Es ist nicht mehr weit. Vielleicht noch 40km, dann sind wir im Ziel. Dann gibt es Burger...

230 km 1 MTB und 1 Stadtrad

Bikepacking - dieser Begriff tauchte dieses Jahr zum ersten Mal an meinem Horizont auf. Radreisen mochte ich schon immer, aber das klingt natürlich längst nicht so abenteuerlich. Zusammen mit dem neuen Wort für eine alte Leidenschaft kam die Erkenntnis, dass man mit dem Rad ja auch mal die Welt der asphaltierten Rentnerradwege verlassen könnte.

Über 7 Gänge sollst du gehen

Dass ich mit meinem 7-Gänge-Rad für Flachlandpioniere noch nicht das richtige Rad für unwegsames Gelände hatte, war mir irgendwas zwischen nicht richtig bewusst und egal. So beschloss ich eine der Touren auf bikepacking.com nachzufahren: Sweet and Sauerland. Daniel war natürlich sofort dabei. 240 km in 3 Tagen. Dieses Tempo wurde von Lothar Linse vorgelegt, von dem der Track kommt. Da die Leute hinter bikepacking.com ziemliche Hardcore-Radler sind, schlug ich noch einen Tag drauf und dachte, das sollte ja dann wohl reichen.

Ankunft im Hochsauerland

Ein paar Wochen später, standen wir mitten in der reizvoll fremden Landschaft des Hochsauerlands. Wir parkten unseren Vito in Bromskirchen und rollten mit unseren schwer beladenen Rädern los. Es dauerte nur so 20 Minuten bis zum ersten fiesen Anstieg. Ich war noch nie schwer bepackt bergauf gefahren und würde das auch an diesem Tag nicht erleben, denn ich musste schieben. Auch hierfür gibt es im Englischen ein freundlicheres Wort: hike-a-bike. Ich wanderte also schweißtriefend und nach Luft ringend mit meinem Rad bergauf. Ab und zu sah ich Daniel - wie ein fernes Wildtier aufwärts ziehend. Ein Anblick, den ich von nun an jeden Tag haben sollte und der mich an Hunderennen erinnerte, bei denen Hasenattrappen dafür sorgen, dass die Hunde sich ins Zeug legen. Allerdings ohne Aussicht darauf, den Hasen je zu erwischen. Nach einer Stunde, die sich wie eine Tagesetappe anfühlte, kamen diese Hasenattrape und ich oben an. Da wir am frühen Abend erst gestartet waren und es auf der Kuppe des Heidenkopfs neben dem Aussichtsturm eine gute Zeltmöglichkeit gab, errichteten wir unser Lager für die Nacht. Daniel entfachte noch ein kleines Lagerfeuer, ich kredenzte uns aus den mitgebrachten Kühlschrankresten einen sehr leckeren Salat und dann machten wir den Reißverschluss hinter uns zu.

Die Sache mit den 7000 Höhenmetern

Nach einer herrlich ruhigen Nacht - es sollte die einzige ruhige Nacht auf dieser Reise bleiben - packten wir wieder unsere Fahrräder und warfen aus begründetem Interesse zum ersten Mal einen Blick auf die Höhenmeter der Tour: Es waren 7000. Ich sah Daniel mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Verzweiflung an. Wieso habe ich mir denn das Höhenprofil nicht vorher angesehen? Ich hatte nur auf die Fotos der Tour geachtet und da sah doch alles so gerade aus. Den folgenden Vormittag verbrachte ich damit, mir verschiedene Exitstrategien zu überlegen und das Gebirge und mein Fahrrad zu verfluchen.

Nackte Tatsachen im Wald

Aber abbrechen kam natürlich nicht wirklich in Frage. Wie ich aus Erfahrung weiß, ist Motivation fast genauso viel Wert wie Muskeln. Wir haben für die Tour natürlich nicht 3 Tage gebraucht, wie Lothar Linse und sein kerniger Freund im Flanellhemd. Wir haben 5 Tage gebraucht und das ist mit einem so ungeeigneten Rad wie meinem schon fast wieder Bestleistung. Tatsächlich sah man ansonsten nur Mountainbikes oder sogar E-Mountainbikes. Begegnungen mit anderen Menschen waren auf dieser Tour aber sowieso sehr selten. Wenn es welche gab, dann hatten sie es aber in sich. Einmal hatten wir uns auf dem dem Gaskocher gerade unser Mittagessen warm gemacht, als ein weiß leuchtender Mann mit nichts als Rucksack und Wanderschuhen bekleidet aus dem Dickicht trat. Durch eine Doku im Fernsehen hatte ich schonmal davon gehört, dass es Menschen gibt, die sich im Freien gerne frei machen. Also grüßte ich so, als wäre nichts. Der Mann war sich aber scheinbar sehr wohl seiner Nacktheit bewusst und machte lieber, dass er weiter kam.

Die nächste Tour ist schon geplant

Nach 5 Tagen, in denen es ausschließlich hoch und runter ging, in denen wir nachts von aneinanderstoßenden Geweihen, bellenden Füchsen und böllernden Dorfjugendlichen wachgehalten wurden, in denen wir tagsüber von Kyrill geschlagene Aussichtsschneisen genießen und die tiefe Stille einsamer Wälder inhalieren durften, erreichten wir unser Auto in Bromskirchen. Die erste Bikepacking Tour ist geschafft und die nächste schon geplant: 5 Tage White Rim Trail im Südwesten der USA. Daniel wird mir dafür ein neues Prachtrad aufbauen, ein sogenanntes Gravelbike mit ganz vielen Halterungen für Proviant, Wasser und den ganzen Campingkram. Der Rahmen aus Barcelona ist heute angekommen.

Morgens um 6:30 breche ich vom Bahnhof Friedrichstraße auf nach Frankfurt mit dem Zug. Eine Stunde kann ich mir Ruhe gönnen, bis die Strecke, die ungefähr 200km des Oder-Neiße Radweg umfasst, beginnt. An diesem Tag bin ich allein unterwegs und will nach Görlitz. Das Wetter ist Anfang April sehr warm und ich habe großes Glück, dass den ganzen Tag die Sonne scheinen wird. Der Zug ist pünktlich und angenehm leer, da es noch in der Woche ist. Ich sause vorbei an allerlei Pendlern, die in die Gegenrichtung in die Stadt fahren um zu arbeiten. Ich muss heute nicht...jedenfalls nicht im Büro.

Frankfurt an der Oder bis Eisenhüttenstadt

Halb 8 lande ich in Frankfurt bei circa 3° Außentemperatur. Ich besorge mir beim Bäcker noch ein Schweineohr und fahre dann zügig bergab, genau Richtung Oder. Der Weg ist leer, die Sonne scheint, noch ist mir kalt. Aber das ändert sich schnell, da ich jetzt mit Geschwindigkeit fahren kann. Hinter Frankfurt führt der Track nochmal weg von der Oder ins Hinterland. Es ist immernoch wunderschön leer und auch die Temperatur steigt schnell - es wird angenehm warm. Bei Beeskow-Finkenheerd geht es dann runter direkt an die Oderdeiche auf diesen nun fast die gesamte Tour verlaufen wird.

Weiter geht es in den Mäandern der Oder bis Eisenhüttenstadt. Vor der Stadt steht ein riesiges altes Kraftwerk noch aus der Zeit vor '45 als hier Energie für den Krieg erzeugt wurde. Das Kraftwerk Vogelsang steht majestätisch und dunkel, die Oderauen überblickend. 1945 wurden die Anlagen demontiert. Seitdem steht es im Rohbau. Dort oben einmal übernachten....hoch oben, das wäre was.

Nach Eisenhüttenstadt sollte man einmal reinfahren und sich die sozialistische Planstadt anschauen. Man bekommt hier einen sehr guten Eindruck von der Ästhetik der damals noch jungen DDR. Leider ist die Stadt hoffnungslos überaltert und wird wohl irgendwann einmal ein Museum, wenn die Generation, die einmal hier mit Gründung von Stalinstadt angefangen hat zu leben, weg sein wird. Junge Menschen gibt es hier kaum. Dafür eine komplett unter Denkmalschutz stehende Innenstadt. Das große Stahlwek, der Grund, warum die Stadt gegründet wurde, sieht man aus dem Zentrum von fast jedem Ort. Ich fahre nun weiter, wieder zurück an die Oderauen um ,,Kilometer zu machen." Bisher sind nur circa 40 davon geschafft. Der Oder-Neiße Radweg führt direkt hinter der Stadt weiter.

Von Eisenhüttenstadt über Guben nach Forst

Das Wetter wird immer Besser. Jetzt folgt Kilometer um Kilometer am Deich entlang bis Guben vor mir liegt. Auffällig sind die vielen Brückenköpfe über die Oder, die hier als Relikte der früheren Verbundenheit der Landstriche östlich und westlich der Oder immer wieder den Wegesrand verzieren. Am südlichen Stadtausgang von Guben gibt es sogar noch eine intakte Eisenbahnbrücke von vor dem Krieg. Ein Gleis war demontiert worden und ein anderes führte über den Fluss. Mittlerweile fahre ich schon entlang der Lausitzer Neiße. Die Oder knickt bei Neuzelle schon Richtung Osten ab.

Früher war die gesamte Gegend ein Textilzentrum mit vielen Betrieben und Fabriken. Heute stehen diese leer oder dienen anderen Zwecken. In Guben hat Gunther von Hagen seine Plastinationsfabrik in einer ehemaligen Hutfabrik. Es gibt viel Freiraum zum kreativen Sein in diesen Landstrichen. Auf der weiteren Strecke entdecke ich auch andere Fabriken direkt am Fluss. Die meisten sind leer.

Der Oder-Neiße Radweg führt auch an Forst vorbei. Auch hier sieht man vergangene industrielle Stärke in Form von Stadtstruktur, die bessere Zeiten erahnen lässt. Es gibt Villen und große Fabriken.

Die Neißepromenade ist neu gemacht. Man kann an vielen Stellen auch die Lausitzer Neiße überqueren. Die Verbindungen auf die andere Seite werden immer zahlreicher nach der langen Trennungszeit.

Von Forst nach Bad Muskau

Ab jetzt beginnt ein sehr langes Stück Weg, auf dem eigentlich nur kleinere Dörfer kommen und viel Wald und Wiesen. Ich kampiere für eine halbe Stunde am Deich und schlafe eine halbe Stunde, bevor es weitergeht. Es ist schon unglaublich warm in der Sonne. Vor Muskau gibt es einen wunderschönen Ziegenhof ( ziegenhof-wolfsschlucht.de), auf dem man auch pausieren könnte, wenn man noch Zeit hätte. Der Ort ist malerisch gelegen, direkt am Fluss, auf der anderen Seite eine weitere verwunschene Frabrik. Ich halte nicht an und fahre weiter nach Bad Muskau.  Hier gibt es einen Pücklerpark, der ohne Rennrad sehr schön zu erkunden ist. Für mich geht es jetzt aber weiter zum letzten Abschnitt.

In den Sonnenuntergang nach Görlitz

Von Bad Muskau sind es noch circa 50km bis nach Görlitz. Mittlerweile bin ich schon empfindlich gegen jede Steigung, die auf dem Weg das Fortkommen beeinträchtigen. Nach 150km habe ich kaum noch Energie, da die großen Strecken für mich auch nicht alltäglich sind mit dem Rad. Doch es geht weiter. Mittlerweile sinkt die Aprilsonne schon bis knapp über die Baumkronen. Ich halte nun kaum noch an, sondern fahre immer weiter. Der Weg der letzten Etappe von Bad Muskau bis Görlitz ist scheinbar unendlich. Doch mit genügend Willenskraft habe ich am Ende des Tages 200km auf dem Tacho und freue mich auf ein Bier und Kaminfeuer.

Fazit: Der Oder-Neiße Radweg ist wunderbar

Die hier beschriebene Tour ist wunderschön gewesen und mit dem Rennrad perfekt machbar. Die Streckenqualität ist beinahe den gesamten Weg über wirklich sehr gut. Es gibt keine verkehrsbelasteten Zonen. Menschen trifft man eigentlich nur in der Nähe der Städte. Im Sommer ist sicherlich mehr los auf dem Weg, aber das sollte sich immernoch im Rahmen bewegen. Ich werde die Tour jedenfalls wieder machen.

linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram