Eigentlich hätte uns diese Reise nach Sibirien führen sollen. Wegen der russischen COVID-19-Einreisebestimmungen musste aber etwas Neues gefunden werden. Etwas, das der sibirischen Wildnis in etwa gleich kommt. In Europa bietet sich dafür das nördliche Schweden an. Es gibt hier noch sehr unberührte Wildnisgegenden, in welche ich mich mit einem guten Freund von mir (Richard Löwenherz: http://www.lonelytraveller.de/ ) mit Boot und Fahrrad hineinbegeben habe.

Tourenplanung

Die Tour führt als Kombination aus Radetappen und Bootsstrecken langsam in immer straßenlosere Gebiete, eine Seenkette hinauf und schließlich ein Stück entlang des Nordkalottleden, über einen Pass auf etwa 1000m, um dann in Ritsem in der historischen Provinz Lappland zu enden. Ursprünglich war die Tour sogar noch länger geplant, jedoch waren Windverhältnisse und Umtragepassagen so zeitraubend, dass in den knapp 20 geplanten Tagen dann doch nur Ritsem erreicht werden konnte.

Entlang des Piteälven durch nordische Taigawälder

In Moskosel gibt es eine Stichstraße, die circa 200 Kilometer nach Nordwesten führt, direkt entlang am Piteälven, hin zur Seenkette und zum Tjeggelvas. Diese Straße überquert auch den Polarkreis.

Bei bis zu 30 Grad und einer Horde Mücken kämpfen wir uns 3 Tage durch diese Landschaft, begegnen Rentieren und lagern an Bächen und Seen, an denen wir auf Lagerfeuern abends Buchweizengrütze und morgens Milchreis kochen. Solange die Witterung und das Holzvorkommen es zulassen, schonen wir unsere Gasreserven.

Während der dreitägigen Passage ändert sich das Landschaftsbild nur unwesentlich, jedenfalls am Anfang. Erst am Tjeggelvas wird die Landschaft dann gebirgig und wir kommen an immer größeren Seen vorbei.

Ursprünglich haben wir für die erste Straßenetappe von Moskosel zum Tjeggelvas 3 Tage anberaumt. Das hätte auch geklappt, wenn wir nicht bei ein paar gastfreundlichen Schweden noch eine Nacht extra verbracht hätten.

Einstieg in den Tjeggelvas

Welche Schwierigkeiten gibt es auf der Route? Die Tatsache, dass man gen Westen eine Seenkette aufwärts fährt, führt dazu, dass man nicht nur gegen die Strömung ankämpft, sondern auch gegen die starken Westwinde, die im arktischen Norden von Norwegen herüberkommen.

Die Seenkette, beginnend mit dem Tjeggelvas, dauert bedeutend länger. Auch wegen der Umtragungen durch Morast und über Felsen. Es bietet sich somit an, die Tour vom Nordkalottleden aus mit Zugang von Sulitjelma (Norwegen) oder Kvikkjokk zu planen, wenn man nur die Seenkette als Tour machen möchte. Auch als Einzeltour eignet sie sich wunderbar.

Trotz Gegenwind und schwierigen Passagen, haben wir die eingeschlagene Richtung nicht bereut: Das folgende Hochplateau und der Padjelanta Nationalpark waren Highlights unserer Tour.

Vom Tjeggelvas zum Pieskehaure

Die gesamte Seenkette hindurch bieten sich immer wieder atemberaubende Lagerplätze, an denen man sich ungestört von jeglicher Zivilisation von den Paddeletappen erholen kann.

Die Umtragestellen sind das notwendige Übel, das man in Kauf nehmen muss, wenn man mit jedem See weniger Spuren der Zivilisation finden möchte. Anfangs gibt es noch Boote, die mit dem Relayprinzip einen maschinenbetriebenen Verkehr möglich machen. Je weiter man aufwärts kommt, desto weniger werden es.

Nordkalottleden mit dem Fahrrad

Wie ist es wohl, in der arktischen Tundra und einer eiszeitlichen Steinbrockenlandschaft mit einem Fahrrad, das über 60 Kilogramm wiegt über Pässe zu reisen? Diese Frage haben wir uns vor der Tour gestellt - und können sie jetzt beantworten: Es ist möglich, grenzt aber schon fast an Selbstgeißelung, nicht zuletzt durch die eiszeitlichen Findlingsbiester, die überall im Weg liegen.

Auf der anderen Seite bekommt man so Routen zusammen, die anders nicht möglich sind. Paddeln, Radfahren und Bergsteigen, alles mit einem Set Equipment ist schon beeindruckend. Dafür zahlt man dann den Preis, dass es an bestimmten Stellen einfach nur noch modular vorangeht, indem das Rad abgepackt wird und man alles den Hang hochzieht. Doch irgendwie geht es voran, auch wenn man oft fluchend die Frage stellt, was das eigentlich soll. Das haben sich scheinbar auch die uns entgegenkommenden Wanderer gefragt, denn das erste, was wir bei diesen Begegnungen immer wieder hörten, war ein erstauntes "Cykel!!" - wie kommt wohl ein Fahrrad mit Paddeln auf den Berg?

Doch nach jedem Aufstieg kommt auch ein Abstieg. Dann spielt das Fahrrad wieder seine Stärken aus und man kann den Weg nach unten mehr oder weniger bequem auf dem Rad bewältigen.

Virihaure

Der größte See im Padjelanta Nationalpark ist der Virihaure. Wir erblicken ihn das erste Mal von hoch oben. Bei Sonnenschein und in tiefster Stille. Anscheinend nicht alltäglich, wie uns Wanderer berichteten. Da wir nun mit der Bergetappe die Wasserscheide überschritten haben, ist die Strömung nun auf unserer Seite. Allerdings bedeutet das nicht viel, da der Wind entscheidend ist. So auch auf dem Virihaure. Wir haben Glück, es weht ein sehr starker Wind aus Südost, der uns geradewegs mit riesigen Wellen auf die andere Seite schiebt. Bei Gegenwind hätte man hier keine Chance.

Mit der Strömung durch die letzten Seen vor Ritsem

Nachdem wir mit Rückenwind in wenigen Stunden den Virihaure überquert haben, geht es per Umtrage in den Vastenjaure. Die Landschaft mutet arktisch an. Karg und schroff. Völlig verändert von der anfänglichen Polartaiga. Mit Gegenwind kommen wir anfänglich nur langsam voran, dann etwas schneller, bis wir am Ende des Tages tatsächlich das Ende des Vastenjaure am Horizont erkennen. Zu zweit trauen wir uns über den riesigen See, auf dem jederzeit die Windrichtungen wechseln können - immerhin waren wir auch nur mit Einkammerbooten unterwegs, die wenig Auftrieb bieten, sollte sich mitten im See die Luft verabschieden. Am Ende des Vastenjaure bietet sich ein bizarres Bild einer Lappensiedlung und einer silhouettenhaften Pyramide aus Eiszeitablagerungen. Durchgefroren machen wir hinter der Pyramide Rast und schlagen in der Dämmerung unser Lager auf. Es regnet bereits seit vielen Stunden und die Temperatur liegt im niedrigen einstelligen Bereich.

Wildwasserfahrten

Nach dem Vastenjaure verengt sich die Seenkette und fließt mit teilweise sehr schneller Strömung und Wildwasserpassagen hin nach Ritsem. Es kommen noch einige Seen, aber bis zum Kutjaure kann man theoretisch mit sehr schneller Fahrt rechnen. Eventuell sind die Wildwasserstellen auch in anderen Wasserständen nicht zu befahren, das ist mir derzeit nicht bekannt. Ich selbst verliere in der letzten Stromschnelle mit dem beladenen Packraft die Kontrolle und kentere im Strom. Das muss aber nicht jedem passieren. Mein Freund Richard kommt direkt durch. Hinter dem Kutjaure, nach dem man man meiner Meinung nach nicht mehr so einfach weiterfahren kann, steigen wir aus und schieben alles durch die Pampa. Es folgt noch eine Übernachtung neben dem Nordkalottleden, auf dem wir bis zum Akkajaure durch die bessere Bodenbeschaffenheit sogar einige größere Strecken fahren konnten. Am folgenden Tag endet die Tour für mich an der Fjällsstation, von der eine Fähre mich über den See nach Ritsem bringt. Richard nimmt sich noch etwas mehr Zeit, um den See mit dem Boot selbst zu überqueren. Ich mache mich mit Rad und Bussen auf den langen Rückweg zum Auto.

Wehre, Wehre, Wehre - Aufbruch in Jena

Am Himmelfahrtswochenende beschloss ich, mit einem guten Freund die Saale mit dem Kajak unsicher zu machen. Bis jetzt kenne ich nur die ruhigen Gewässer hier oben im Norden und die Saale sollte ein wenig wilder sein. Man kommt schnell voran und die 54km erschienen am Ende sehr entspannt.

Ich selbst besitze ein Boot, für meinen Kumpanen haben wir bei Sea Sports in Jena (www.sea-sports.de) eins geliehen. Die sind ausgesprochen nett und haben uns ein nagelneues Prijon zur Verfügung gestellt, das gerade in den Verleih genommen wurde. Abgeholt werden sollten wir dann in Naumburg weiter südlich.

Die Tour beginnt sehr entspannt bei schönstem Wetter direkt in Jena und bringt uns direkt in die Stadt, erst ruhig und dann ein wenig schneller. Es folgt ein Wehr auf das nächste. Nicht immer haben die Verantwortlichen mitgedacht und die Bedürfnisse von Paddlern beim Bau bedacht. Die Treppen enden teilweise weit oberhalb der Wasserlinie, weshalb wir oft sehr weit nach unten reichen müssen mit den Booten. Die nette Dame, die ins später zurückfährt von Naumburg bestätigt dies. Beim Bau der Anlagen ist kein Know-How eingeflossen, wie diese am effektivsten zu platzieren wären.

Wunderschöner Fluss

Ruhig und doch schnell gleiten wir gen Norden. Die Strecke ist unglaublich schön, ist umrahmt von Bergen und Feldern. Immer wieder Wehre und Umtragen. Dessen muss man sich unbedingt bewusst sein. Die Strecke ist voller Umtragestellen. Wem das nichts ausmacht, der wird mit einem landschaftlich reizenden Erlebnis belohnt. Und dazu kann man sich manchmal einfach treiben lassen. Die Strömung erledigt den Rest.

Burgen und Weinberge

Nach einer Übernachtung auf dem Campingplatz Saalerastplatz bei Dobritschen kommen wir an Weinbergen und Burgen vorbei. Die Burg Saaleck z.B. ist ein Wunderschöner Anblick vom Wasser aus. Dicht danach folgen Felsformationen und Stromschnellen. Ein paar Mal streift man danach die ICE Strecke Berlin- München. Jetzt kommt Kultur. Das Gradierwerk Bad Kösen liegt an der Strecke. Bad Kösen selbst ist mit seinem eigenwilligen Konstrukt eines Stangenwerkes, das eine Saline betrieb. Die Holzbalken übetragen die Kraft bis zum Schacht hinauf vom Fluss unten.  Sowas habe ich bisher noch nirgends in dieser Größe gesehen. Das Gradierwerk ist ebenfalls sehenswert.

Naumburg

Da Bad Kösen eigentlich schon ein Ortsteil von Naumburg ist, sind wir fast am Ziel. Die Tour ist definitiv eine Empfehlung. Wer mal etwas schnellere Gewässer als die nördlichen Flusslandschaften mit dem Kayak befahren will, ist hier richtig. In 2 Tagen richtig gut zu schaffen, kann die Tour auch beliebig erweitert werden. Ab Naumburg ist dann auch Schiffsverkehr auf der Saale. Im Sommer kann die Saale übrigens nicht mehr mit dem Faltboot befahren werden. Der Mai war hier noch gerade so hinreichend vom Pegel. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht über Steine schrammt.

Hier ein paar Eindrücke der Tour:

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