Uckermärker Landrunde: Templin - Boitzenburg// Etappe 3 // 37 km
Gepostet von DK am 1. Mai 2017


Am 1.Mai-Wochenende kehren wir nach Templin zurück und knöpfen uns die nächsten Etappen der Uckermärker Landrunde vor: zuerst 37 km nach Boitzenburg, übernachten im Schloss und dann 25 km weiter nach Prenzlau. Als wir losgehen, ist es mal wieder saukalt und es dauert natürlich nicht lange, bis der erste Regenschauer auf uns niederprasselt. Sonne und Regen werden sich den ganzen Tag im 30-Minuten-Takt ablösen, aber in unseren versnobbten, teuren Outdoor-Klamotten merken wir das kaum. Es wird eine großartige Wanderetappe durch Kiefernwälder, Feldraine und kleine Moore. Und die 37 km vergehen wie im Flug, oder besser gesagt im landrauschen.

Templin - back on track

In Templin stellen wir unser Auto am Busbahnhof ab und gehen die Bahnhofsstraße in Richung Ortsausgang. Rechts abbiegen und die Schillerstraße runter, dann kommt eine kleine Brücke über den Templiner Kanal und es wird grün. Ab hier ist die Uckermärker Landrunde ausgeschildert und der rote Punkt ist in so dichten Abständen gesetzt, dass man sich auch ohne GPS nicht verlaufen kann. In den Hecken am Wiesenrand hören wir wie zur Begrüßung den lauten Gesang der Nachtigallen, während sich über uns die erste dunkle Wolkenfront auftürmt.

Die Fachwerkkirche in Alt-Placht

Kurz vor dem ehemaligen Gutsdorf Alt-Placht lichtet sich der Wald. Wir laufen durch eine Allee und sehen die kleine Fachwerkkirche näherkommen, die wir schon von früheren Touren kennen.

Es ist, als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre. Umgeben von einer Feldsteinmauer und knorrigen, mehr als 500 Jahre alten Linden schaut das "Kirchlein im Grünen" von seiner kleinen Anhöhe herab in die Welt und strahlt eine unglaubliche Kraft aus. Vor mehr als 300 Jahren wurde die Gutskapelle im Stil nordfranzösischer Fachwerkbauten gebaut. Heute ist sie ein einzigartiges Zeitzeugnis für die hugenottische Besiedlungsgeschichte Brandenburgs im 17. Jahrhundert. Das wusste man jedoch nicht immer zu schätzen: Zu DDR Zeiten wäre es fast vorbei gewesen mit der Kirche. Bis zu den Türschlössern wurde alles geklaut, die Kapelle verfiel, niemand kümmerte sich. Erst nach dem Fall der Mauer gründete sich ein Förderverein und das heutige Denkmal wurde mit viel Liebe bis ins letzte Detail restauriert.

Glambecksee - einer der glamourösesten Seen der Uckermark

Kurz hinter Alt-Placht führt der Weg am Glambecksee vorbei. Wie man auf einer Ufertafel erfährt, gehört dieser kleine, glasklare See zu den wertvollsten Seen der Uckermark. Im Sommer hat das Wasser eine Sichttiefe von bis zu 4 Metern - ein Zeichen dafür, dass der See besonders sauber und nährstoffarm ist. Er ist Heimat für seltene Wasserpflanzen, wie verschiedene Armleuchteralgenarten. Angeln und Baden ist hier trotzdem erlaubt. Allerdings nur in der Nordbucht.

Perfekt für den Sprung ins kalte Wasser: Der große Warthesee

Wir kommen durch den kleinen Ort Gandenitz und laufen dann noch ein gutes Stück durch den Wald, bis wir nach Warthe und zum Großen Warthesee gelangen. Am Großen Warthesee gibt es eine Badestelle mit aufgeschüttetem Sandstrand und einem Sprungturm. Der Wanderweg führt am Ostufer des Sees entlang. Wir sehen einen Mann, der gerade mit seinem kleinen Sohn an einem Holzfloss bastelt. Er erzählt, dass er und seine Frau das Feriengrundstück einer Freundin nutzen dürfen. Für einen Urlaub weiter weg fehlt ihnen mit ihren vier Kindern das Geld. So schön wie sie es hier haben, stört sie das allerdings auch nicht.

Zum Schluss zum Schloss

Wir laufen durch staubige Äcker und genießen den Blick auf die schweren Wolken, die sich im harten Sonnenlicht dramatisch über die Moränenhügel schieben. Es ist schon nach 17 Uhr und wir haben jetzt Zeitdruck. Anreise auf Schloss Boitzenburg ist bis acht und es liegen noch etwa 12 km vor uns. Ensprechend schnellen Schrittes sind wir nun unterwegs. Im Wald fällt das Abendlicht auf die kleinen Tümpel und Sümpfe. Immer wieder ein Blick auf die Uhr. Kurz vor Boitzenburg - das Schloss haben wir schon durch die Bäume gesehen - entdecken wir etwa zweihundert Meter vor uns einen Hasen auf dem Weg. Doch passend zur märchenhaften Landschaft, rennt dieser Hase nicht vor uns davon, sondern direkt auf uns zu. Einige Meter vor uns bleibt er stehen und scheint kurz nachzudenken. Er setzt sich, reibt seine langen Vorderpfoten, und schwupps rennt er in die entgegengesetzte Richtung davon.

Endlich in Boitzenburg

Kurz vor acht erreichen wir endlich das Schloss und laden unsere Rucksäcke in unserem Zimmer in der "Dependance" ab. Die Depandance ist eigentlich ein Plattenbau aus DDR Zeiten, direkt gegenüber vom Schloss. Hier bekommt man für 40 Euro ein einfaches Doppelzimmer mit Frühstück. Das Gebäude ist schon etwas runtergerockt, aber die Zimmer sind sauber und für eine Nacht völlig ok. Das Frühstück am nächsten Morgen ist sogar richtig toll. Man speist in einem großen Saal im Schloss. Am Büffet gibt es frischen grünen Salat, Tomaten, Rührei mit Speck, Körnerbrötchen, eine große Auswahl an Marmelade, Käse und Wurst, Frühstücksflocken, Orangensaft und und und. Und auch die Mitarbeiter waren alle extrem - ich würde sagen für Brandenburg sogar ungewohnt - freundlich. Wer abends noch im Schloss essen möchte, sollte einplanen, dass die Küche nur bis 19:30 Uhr und das Restaurant um 20 Uhr schließt. Um die Zeit hat sonst nur noch der Gasthof zum grünen Baum geöffnet, wo wir glücklicherweise noch einen Tisch bekommen haben.

Gasthof zum grünen Baum

Nachdem die Dame an der Schlossrezeption uns mit dem Warnung losgeschickt hatte, die Küche im Gasthof sei etwas "alternativ", waren wir dann umso positiver überrascht. Man findet hier zwar nicht das klassische Schnitzel mit Pommes, dafür aber viele interessante Gerichte. Was man in Kauf nehmen muss, ist die lange Wartezeit aufs Essen. Wir haben etwas mehr als eine Stunde gewartet, bekamen dafür aber einen unglaublich leckeren Gruß aus der Küche: Selbstgebackenes Brot mit Kresse, Giersch-Pesto und einem Spargel-Erdbeer-Salat. Auch die Burger, die wir bestellt hatten, waren sehr gut.

Wer es bodenständiger mag, dem empfehle ich das Wirtshaus zur Klostermühle. Hier gibts klassische Gerichte und das Essen ist etwas günstiger als im Gasthof zum grünen Baum. Letztes Jahr habe ich dort ein sehr gutes Rehragout mit selbstgemachten Spätzle gegessen. Und wenn man schon mal da ist, sollte man auf jeden Fall die alte Museumsmühle nebenan anschauen. Dank der Sammelleidenschaft des letzten Müllers ist die Mühle mitsamt der ganzen Mühlentechnik noch vollständig erhalten. Achtung: Restaurant und Mühle haben nur bis 17 Uhr geöffnet.

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